Lazika Municipalty

Lazika Municipalty

Architects of Invention

Es muss doch geradezu einzigartig für eine Stadt sein, aus einem einzigen Gebäude zu bestehen. Und genau dies ist der Fall in Lazika, einer neu entwickelten Stadt an der Küste des Schwarzen Meers in Georgien. Das junge britische und georgische Architektenbüro Architects of Invention schuf ein Verwaltungsgebäude aus Stahl, das öffentliche Einrichtungen, ein Standesamt, eine Terrasse sowie mehrere Büros umfasst. Auf der Grundlage ihrer Vorstellungen entstand ein skulpturales Gebäude auf stählernen Beinen, das sich aus der Moorlandschaft erhebt.

Das erste Bauwerk, das in Lazika entstehen sollte, musste ein Verwaltungsgebäude sein. Denn hier sollten die Arbeiten für die zukünftige Stadtentwicklung stattfinden. Schließlich soll Lazika einmal eine der größten Städte des Landes werden; so zumindest lautet die Hoffnung des Bauherren, des Justizministeriums von Georgien. “Wir wollten eine enge Verbindung zur natürlichen Umgebung beibehalten: dem Moor”, erklärt Niko Japaridze, einer der Gründer von Architects of Invention. “In einer solch feuchten, moorigen Umgebung wurden die traditionellen Hütten eher auf Pfählen als auf Fundamenten gebaut, sodass die Häuser jederzeit trocken blieben und für eine natürliche Lüftung von unten gesorgt wurde.”

 

Das war unser Ausgangspunkt für den Entwurf einer Reihe schwebender Objekte, die auf die regionale Architektur dieser Moorlandschaft zurückgreifen. Außerdem wurde “La Ville Spatiale” von Yona Friedman als Quelle der Inspiration genutzt. Der in Ungarn geborene französische Architekt baute schwebende Städte auf massiven Pfeilern; ein Konzept, das in so mancher der weltweit größten Städte in der Zeit von 1960 umgesetzt wurde. Beim Projekt in Georgien sind zudem mehrere Bauvolumen zu sehen, die von einem Stahlrahmen getragen werden, der in alle Teile des Entwurfs integriert wurde. “Die Herausforderung bestand darin, ein skulpturales Verwaltungsgebäude aus einem einzigen Material zu schaffen. Da das Zeitfenster äußerst klein war – das 1500 m2 große Stadtgebäude entstand in nur 168 Tagen –, empfahl sich vorgefertigter Stahl als beste Lösung. Es ist das erste Bauwerk in Georgien, das vollständig mit einer Stahlverkleidung bedeckt ist. Die Gebäudeteile scheinen auf einer Konstruktion aus Stahlstreben zu schweben”, erklärt Japaridze. Für die Außengestaltung der drei einzelnen Bauvolumen, der Treppen und de Aufzugs wurden die Systeme CW 50-SC und CS 77 von Reynaers eingesetzt.

Die geschwungene Linie des Standesamts erinnert an ein Huf

Unsichtbar verbundene Bauvolumen

“Der Ausgangspunkt war nicht die Masse, sondern viel eher der leere Raum“ - dies als Metapher für die Stadt, die noch entstehen soll: eine Leere, in der es keine Erinnerungen gibt, auf die sich die Masse beziehen kann”, erklärt Japaridze. Also, statt nun Raum innerhalb eines Volumens zu definieren, gingen die Architekten umgekehrt vor: Bauvolumen wurden in einen leeren Raum eingefügt. Die drei unterschiedlichen Bauvolumen funktionieren unabhängig voneinander. Sie verfügen alle über einen eigenen Eingang von der Straße her. Im Inneren wurde eine unsichtbare Verbindung zwischen den Baukörpern angebracht: In der vertikalen Säule aus rotem Glas verbirgt sich nämlich ein Fahrstuhl. Sobald man den darunter liegenden Platz betritt, bekommt man das Gefühl, als schaue man durch eine rote Linse und empfindet die Leere hier stärker als die feste Form.

 

Der erste Bau beinhaltet im Erdgeschoss den Hauptgang sowie einen öffentlichen Bereich. Im zweiten Gebäudeteil befindet sich das Standesamt mit einem Zugang zu einer großen Terrasse. Das dritte Volumen schwebt 20 Meter über der Bodenfläche und besteht aus Büroräumen, in denen an der weiteren Stadtentwicklung gearbeitet wird. Die drei Bereiche haben alle einen eigenen Charakter, je nach der benötigten Menge an Tageslicht. Damit der öffentliche Bereich einladend und hell wirkt, wurden alle vier Wände transparent gestaltet. Die gewölbte Form des Standesamts erinnert an ein Hufeisen, das in das Gebäude geschoben wurde und für eine ganz eigene Dynamik sorgt. “In dieser Art ‚Raumschiff‘ sahen wir so etwas wie eine Metapher für das unendliche Raum-Zeit-Kontinuum der Ehe”, erläutern die Architekten. Das Standesamt besteht aus einem semi-transparenten Baublock: Boden, Wände und Decke bestehen aus dem gleichen Material. Da der oberste Gebäudeteil den Büroräumen vorbehalten ist, hat man sich für ein etwas geschlosseneres Raumkonzept mit einer Größe von 35 mal 35 Metern entschieden. Die perforierten Stahlplatten, die die Fassade dieses Gebäudeteils bedecken, schützen den Innenbereich vor der starken Sonneneinstrahlung und lassen nur circa fünfzig Prozent des Tageslichts eindringen.

Ohne die weitere Stadt- Entwicklung bleibt das Lazika-Gebäude einsam am Ufer

Stählerne Beine im Sumpf

Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Engenuiti wurde eine Lösung entwickelt, bei der achtzig Pfeiler in den schwierigsten aller erdenklichen Bodensorten eingelassen wurden: Moorland. Die “Strukturelle Stahlrahmenlösung”, wie sie von den Machern bezeichnet wird, ermöglichte es, dass die Pfähle, auf denen die Bauvolumen ruhen, bis in eine Tiefe von 25 Meter ins Erdreich “geschraubt” wurden; dadurch wurden Bedenken hinsichtlich möglicher Erdbeben und des erwarteten Anstiegs des Meeresspiegels durch die globale Erwärmung gebannt. Durch die Entstehung eines internationalen Hafens für Tankschiffe, die auf der Seidenstraße von Ost nach West fahren, sowie für die Marine, müsste Lazika als großes wirtschaftliches und gewerbliches Zentrum eine der größten Städte des Landes werden. Aber erst einmal besteht Lazika nur aus diesem einzigen, aber faszinierenden Gebäude.

Verarbeiter: 
LG Glass
Architekt: 
Architects of Invention
Ort: 
Lazika, Georgia
Fotograf: 
Nakanimamasakhlisi Photo Lab
andere Partner: 
Ministry of Justice (Investors) Atak Engineering (General Contractors) Engenuiti.com (Engineering office) Progresi.com (Engineering office)